Portalzugbrücke

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Als Theodor Fontane 1880 von Köpenick aus mit dem Segelschiff ,,Phönix" auch die Gegend um Groß Köris bereiste, hatte er für die damals gerade 415 Einwohner des kleinen Fischerdorfes offenbar nicht viel im Sinn. Statt dessen beschreibt er in seinem vierten Band der "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" die hölzerne Portal-Zugbrücke mit wahrer Begeisterung. Man kann es nur ahnen: 54 Fuß lang, 17 Fuß breit, überspannt sie noch heute den Groß-Körisschen Graben. Die Zugklappe hat eine Länge von 20 und eine Breite von 13 Fuß. Die Durchfahrtsöffnung unter der Klappe, so notierte der Dichter aus Neuruppin/Berlin seinerzeit, weist eine lichte Weite von cirka 20 Fuß auf. Fontanes vornehme Zurückhaltung Groß Köris und seinen Einwohnern gegenüber läßt sich eigentlich so recht nicht verstehen. Denn dieses Fleckchen Erde hat eine lange Geschichte.

Archäologische Funde belegen, daß am Nordrand von Klein Köris etwa ab dem 2. Jahrhundert ein intensiv besiedeltes germanisches Dorf bestanden hat. Das Brückenwärterhaus wurde bereits 1860 im Historischen Ortslexikon erwähnt. Es diente nicht nur als Wohnung für den Brückenwärter, sondern beherbergte zwischenzeitlich auch einen Förster. Bis April 1945 konnten nicht nur Fußgänger und Radfahrer die Zugbrücke benutzen, sondern auch Pferdegespanne. Dann wurden, um ein Vorrücken der sowjetischen Armee zu verhindern, viele Brücken gesprengt. So auch die Zugbrücke in Groß Köris. Nach Kriegsende wurde eine Notbrücke gebaut, aber nur für Fußgänger. Anfang der 50er Jahre erfolgte der Bau einer Holzbrücke. Im Jahre 1958 bekam Groß Köris eine neue Zugbrücke, die bis 1977 durch Handbetrieb hochgezogen wurde. Erst dann konnte eine elektrische Winde in Betrieb genommen werden. Diese versah bis 1997 ihren Dienst und wurde dann durch eine neue Winde ersetzt. Im Laufe der vielen Jahre stellten sich jedoch erhebliche Mängel ein, und eine gründliche Überholung wurde notwendig. Durch die Initiative dreier Herren wurde die Sanierung der Zugbrücke für September 2002 vorbereitet. Bei der praktischen Arbeit standen den Herren bis zu 15 rüstige Rentner zur Seite. Diese ließen es sich nicht nehmen, ihre Zugbrücke - das Wahrzeichen von Groß Köris - zu sanieren. Technische Mängel wurden durch die Fa. Kubiza behoben. Das Sandstrahlen übernahm eine Fa. aus Alt Döbern. Die Holz- und Malerarbeiten erledigten die freiwilligen Helfer aus Köris. Nach nur 10 Tagen konnte die Zugbrücke für den Boots- und Straßenverkehr wieder freigegeben werden.

 

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