Museumspädagoginnen mit frischem Blick

27.05.2021

Ein von vielen politischen und kulturellen Akteuren gewolltes Projekt ist gestartet: Zwei Museumspädagoginnen entwickeln Angebote und bauen ein Netzwerk zwischen Bildungsträgern und den Museen des Landkreises Dahme-Spreewald auf.

 

Von Ingrid Hoberg

 

Ein straffes Arbeitspensum hatten Madline Riemer (33) und Janina Schneider (29) vom ersten Tag an. Im April nahmen die beiden Medien- und Kulturwissenschaftlerinnen ihre Tätigkeit beim Museumspädagogischen Dienst des Landkreises Dahme-Spreewald auf und haben zunächst ein Profil für ihre Arbeit erstellt – denn mit ihrem Projekt wird Neuland beschritten. Der Landkreis sowie sieben Ämter, Gemeinden und Städte beteiligen sich gegenwärtig an dem für drei Jahre konzipierten Vorhaben. Die Städte Luckau und Lübben, die Ämter Lieberose/Oberspreewald, Unterspreewald und Schenkenländchen sowie die Gemeinden Heideblick und Heidesee haben den Einsatz von zwei Museumspädagogen vereinbart.

 

Kulturdezernent Stefan Wichary, Madline Riemer, Janina Schneider und Projektleiterin Marianne Wenzel (v.l.n.r.) vor dem Lübbener Schloss.

 

Sie haben zwar im Museum Schloss Lübben ihre Basis, doch Madline Riemer und Janina Schneider sind gegenwärtig dort gar nicht so oft anzutreffen. Vielmehr sind sie unterwegs, um die Museen vor Ort kennenzulernen, für die sie passgenaue, pädagogische Programme erarbeiten wollen – mit dem Ziel, dass diese Projekte dann auch eigenständig umgesetzt werden können. “Der erste Kontakt ist sehr gut verlaufen”, sagt Marina Gadomski, Leiterin des Niederlausitz-Museums Luckau. “Wir sind uns in den Zielen einig”, betont sie. Schließlich macht sich die Luckauer Museumsleiterin seit Jahren für solch ein gemeinsames Projekt stark. Und auch wenn die beiden Museumspädagoginnen noch in der Findungsphase sind, wird schon die erste gemeinsame Veranstaltung geplant.

 

VIDEO: Was ist eigentlich... Museumspädagogik?

Video von Karen Ascher

 

Madline Riemer und Janina Schneider gehen in die Fläche und besuchen auch kleinere Einrichtungen, die für das Leben im Ort oft Entscheidendes leisten. “Beide waren sehr angetan von unserer liebevoll gestalteten Darre”, sagt Dieter Klaue, Vorsitzender des Fördervereins Lieberose. Der Verein sorgt nicht nur für die Aufarbeitung der Lieberoser Stadt- und Forstgeschichte, sondern veranstaltet auch regelmäßig Ausstellungen in der Galerie der Darre. Dort präsentieren sich Vereine der Stadt ebenso wie Sammler von historischen Objekten. “Wir wissen, dass wir keine finanzielle Hilfe erwarten können, doch der Erfahrungsaustausch, die regionale Vernetzung ist uns wichtig”, sagt Dieter Klaue. Bei zwei Regionalkonferenzen sind bereits Erfahrungen ausgetauscht worden.

 

Die Darre in Lieberose. Foto: Ingrid Hoberg

 

“Etwa zwei Drittel der 30 Einrichtungen im gesamten Landkreis haben die beiden Museumspädagoginnen inzwischen besucht”, sagt Projektleiterin Marianne Wenzel, in Vertretung Chefin des Lübbener Museums. Die Gesamtleitung des Museumspädagogischen Dienstes liegt bei der Stadt Lübben. Ob das Freilichtmuseum Germanische Siedlung Klein Köris, das Freilandmuseum Höllberghof Langengrassau in der Gemeinde Heideblick, das Lieberoser Begegnungszentrum Darre mit Dauerausstellung und wechselnden Kunstausstellungen in der Galerie, die Dokumentationsstätte des KZ-Außenlagers Lieberose in Jamlitz, das Museum der Gedenkstätte KZ-Außenlager Lieberose, das Bauernmuseum in Schlepzig oder das Niederlausitz-Museum Luckau – die Museumslandschaft in Dahme-Spreewald ist vielfältig und von den Akteuren vor Ort geprägt. “Es gibt viele tolle Ideen für die Vermittlungsarbeit, die bisher am fehlenden Personal scheiterten”, sagt Marianne Wenzel.

 

Kulturkirche Luckau mit Niederlausitz-Museum. Foto: Kulturkirche

 

Und an dieser Stelle setzt der Museumspädagogische Dienst an. Madline Riemer und Janina Schneider haben erste Vorhaben im Blick – sie wollen ein Sommerprogramm für die brandenburgische Ferienzeit entwickeln, bei dem die Museen Gastgeber sein können. Das Programm soll sich an Familien ebenso richten wie an Besucherinnen und Besucher, die als Individualgäste kommen. “Und nach den Sommerferien wird voraussichtlich ein landkreisweiter Geschichtswettbewerb stattfinden, bei dem Schülerinnen und Schüler zu definierten Themen Beiträge einreichen”, geben die beiden ein weiteres schon absehbares Ziel vor. Für den Tag des offenen Denkmals am 12. September 2021 soll für LDS ein Programm entwickelt werden, in das die musealen Einrichtungen eingebunden werden.

 

Im Bauernmuseum Schlepzig. Foto: Dörthe Ziemer
Die Kooperation zwischen den unterschiedlichen Partnern sind ein weiterer Arbeitsschwerpunkt. Im Fokus stehen Schulen, Kitas, aber auch Einrichtungen der Erwachsenenbildung, der Kultur – beispielsweise Bibliotheken oder Theatergruppen – und des Tourismus. Als eine erste Idee schlagen Madline Riemer und Janina Schneider eine Landkarte mit thematischen Fahrradtouren vor, die zu Museen und Sehenswürdigkeiten führen, die schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind. Als mobiles Angebot für Schulen können sie sich einen Museumskoffer vorstellen. Mit Unterstützung des Landkreises soll ein Internetauftritt geschaffen werden, über den Newsletter verschickt oder ein Blog geführt werden kann. “Im Idealfall kann der Auftritt mit einer Präsenz des Museumsverbundes zusammengeführt werden. Denkbar wäre auch eine digitale Karte des Kreises, auf der sich die Museen vorstellen und mögliche Fahrradtouren angewählt werden können”, erklären die beiden.

 

Das Freilichtmuseum Germanische Siedlung in Klein Köris. Foto: Museum Schloss Lübben

 

“Wir denken auch an Bildung für die Älteren, beispielsweise Besuche in Alten- und Pflegeheimen”, sagt Projektleiterin Marianne Wenzel. Doch dafür werde die dritte Stelle gebraucht, die bisher nicht finanzierbar ist. Denn die Stadt Königs Wusterhausen hatte sich aus dem Projekt zurückgezogen. Sollte sie sich doch entschließen, dem Projekt Museumspädagogischer Dienst beizutreten, dann sei das machbar. “Der Bedarf in den Museen ist da”, betont sie. Auch Stefan Wichary, Beigeordneter und Dezernent für Soziales, Jugend, Gesundheit und Kultur im Landkreis Dahme-Spreewald, bedauert, dass Königs Wusterhausen zunächst ausgestiegen ist. “Wir hoffen, dass im September KW dann dabei ist!” Denn wenn der Projektzeitraum von drei Jahren gut genutzt wird, kann aus dieser Testphase mehr werden – und das ist das Ziel aller Beteiligten.

 

Museum Schloss Lübben. Foto: Dörthe Ziemer

 

HINTERGRUND

  • Im Landkreis Dahme-Spreewald gibt es in allen früheren Kreisstädten sowie in den Ämtern und Gemeinden museale Einrichtungen. Der Unterhalt und die Betreibung der Museen wird meist von kommunalen oder gemeinnützigen Trägern gestemmt. Finanzielle Überforderung und permanente Überlastung der Mitarbeiter in den Museen werden schon seit Jahren beklagt.
  • Anfang 2017 wurde durch einen Antrag der Fraktionen CDU/Grüne; Linke und Stadtfraktion der Lübbener Bürgermeister beauftragt, neben einer Neuausrichtung des Lübbener Museums Möglichkeiten zukünftiger Kooperationen aufzuzeigen. Denn viele Museen im Landkreis stünden vor denselben Fragen. Pädagogische Inhalte sollten sich als Teil der Bildungslandschaft etablieren. In dem Antrag wurde auch auf die Verantwortung des Landkreises Dahme-Spreewald bei diesem Thema hingewiesen.
  • Im März 2018 hatten sich die Bürgermeister der Städte Lübben, Luckau und Königs Wusterhausen mit der Bitte um Unterstützung an den Landkreis gewandt: Der Kreis solle bei der Arbeit mit Schulen, die teilweise in seiner Zuständigkeit liegt, ins Boot geholt werden – eine Stelle für die museumspädagogische Arbeit an jedem Museum solle finanziert werden.
  • Im Rahmen der Diskussion zum Doppelhaushalt 2019/2020 des Landkreises wurde dieser Vorschlag von der Fraktion SPD/Grüne in die Diskussion eingebracht. Der Landkreis Dahme-Spreewald habe Nachholebedarf bei der Finanzierung seiner Museumslandschaft, hieß es im Februar 2019 im Beschlussentwurf – der nun umgesetzt wird.
  • Ende 2019 beschloss der Kreistag die Neufassung seiner Kulturförderrichtline – ergänzt um den Museumspädagogischen Dienst. Drei Pädagogen - derzeit sind es nur zwei - sollen zunächst eine Konzeption zur museumspädagogischen Arbeit entwickeln. Die Stadt Lübben übernahm die Federführung des auf drei Jahre angelegten Projekts.
  • Der museumspädagogische Dienst erweitert nun das Bildungsangebot im Landkreis Dahme-Spreewald – die beteiligten Museen und musealen Einrichtungen wirken als Lern- und Kommunikationsorte für Familien, Kitagruppen und Schulklassen wie auch Vereine. Außerschulische Bildungsangebote werden unterstützt, ebenso die pädagogische Arbeit der Kitas und anderer Lerninstitutionen im Landkreis.
  • Das digitale Auftakttreffen mit den Förderern und musealen Einrichtungen des Landkreises Mitte April bezeugte ein großes Interesse am Museumspädagogischen Dienst.
 

Bild zur Meldung: Der Höllberghof in Langengrassau. Foto: Karsten Floegel