Waldfriedhof Halbe

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Heute strahlt das Schenkenländchen eine unnachahmliche Idylle aus. Vor gut einem halben Jahrhundert herrschte dort ein unvorstellbares Inferno. In der letzten Kesselschlacht des Zweiten Weltkriegs starben hier über 40000 Menschen einen sinnlosen Tod. Die Schatten der Vergangenheit wirken immer noch nach. Frisch ausgehobene Gräber auf dem Soldatenfriedhof von Halbe lassen erkennen, dass fast 60 Jahre danach noch Tote gefunden werden. „Etwa 50 bis 80 Personen jährlich“, nennt Siegfried Grund als Zahl. Er ist der zuständige Referent beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Kassel e.V, der für die Anlage in Halbe zuständig ist. „Gerade jetzt, beim Autobahnbau, hatten wir viele Funde.“

 

Auf dem Friedhof treffen wir einen Trupp Männer, die in der Sommerhitze mit Schaufel und Hacke sich an einem der Wege zu schaffen machen. Ein Trupp Bundeswehr-Reservisten aus der Lüneburger Heide, wie im Gespräch schnell deutlich wird. „Wir sind freiwillig hier, zehn Tage lang, um mit unserer Arbeit zu helfen, das Erscheinungsbild zu verbessern. Wir beseitigen Wurzeln und andere Stolperfallen“, berichtet Harald Tiede. Der 51-Jährige ist mit einem insgesamt neunköpfigen Trupp vor Ort. Als hoheitliches Zeichen haben sie die Bundesflagge eingepflanzt, schließlich durften sie ja auch in einem tarn-braunen Bundeswehr-Transporter anrücken. Die offenen Gräber? „Da kommen die Funde rein – momentan sind sie im Geräte-Schuppen aufgestapelt!“ Kathrin Gräber, die für den Volksbund vor Ort für die Anlage zuständig ist, zeigt sich vom Reporter-Besuch sichtlich irritiert. Was sich nicht verleugnen lässt, an der rechten Wand des Werkzeugschuppens stehen sie fein säuberlich aufgestapelt, Papp-Behälter, schwarz, sargähnlich. Siegfried Grund: „Wenn die Toten gefunden werden, versuchen wir, sie zu identifizieren. Wir haben in Erwin Kowalke einen erfahrenen Umbetter. Der kommt dann vor Ort. Bei Soldaten kann die Identifizierung erfolgen, wenn persönliche Gegenstände, Uniformteile oder wenn wir Glück haben, Erkennungsmarke oder Soldbuch vorhanden sind. Bei Zivilisten ist das schwieriger. Unser Umbetter versucht, aufgrund seiner Erfahrung zumindest das Alter zu schätzen. Gerichtsmedizinische Untersuchungen oder Recherchen per Zahnabgleich werden nicht vorgenommen.“ Und weshalb erfolgt nach diesen Maßnahmen keine sofortige Bestattung? Grund: „Wir wollen, dass die Bevölkerung daran teilnimmt und führen deshalb zweimal jährlich entsprechende Trauerfeiern durch. Bis dahin sollten die Toten allerdings im Nebenraum unserer Trauerhalle stehen!“

 

Soldatenfriedhof Halbe

 

In Halbe erinnert die Kriegsgräberstätte Waldfriedhof an die sinnlose Kesselschlacht um Halbe in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges, bei der 40.000 deutsche Soldaten ums Leben kamen.

 

Halbe 1945

 

Es war im April „fünfundvierzig“, der Krieg war schon fast vorbei.

Da tobten ringsum in den Wäldern die Kämpfe noch bis in den Mai.

Das waren die Tage von Halbe, als das große Sterben begann.

Da lagen die Toten in Reihen, der Soldat und der Volkssturmmann.

Und in diesem ganzen Inferno von Bomben und Minen und Brand.

Da lag dieses Dörfchen Halbe, das kaum einer vorher gekannt.

Zerschossene Pferdegespanne, Zeugen vergeblicher Flucht.

Dazwischen ein weinendes Mädchen, das hat seine Mutter gesucht.

Und hinter der Laderampe, da lagen die Toten zu Hauf?

Viel Hunderte Rotarmisten und Hunderte Deutsche auch.

Und tausende Hitlerjungen, verwundert, erschossen, verbrannt.

Und weinende Flüchtlingskinder, sie alle in Gottes Hand.

Da lernten so manche das Beten, die niemals an Gott geglaubt.

Verblutete Deutschlands Jugend, der man die Zukunft geraubt.

Und als die Geschütze schwiegen, der letzte Schuss verhallt.

Da sah man sie alle liegen, erschossen im Märkischen Wald.

Hinter dem alten Forsthaus, ist ein Landser am Galgen verreckt.

Daneben ein alter Bauer, der hatte den Jungen versteckt.

Dann hat man die Toten beerdigt, zu Tausenden grub man sie ein.

Ein Wäldchen am Rande von Halbe, das wurde ihr Totenhain.

Es war im April „fünfundvierzig“, das Frühjahr war trocken und heiß.

Und unten im Dorf lebt so mancher, der das noch kennt und weiß.

 

Das waren die Tage von Halbe... von heinz'l

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